LOBENDE ERWÄHNUNGEN

Wohnquartier Isarring

Nachverdichtung einer bestehenden Wohnsiedlung mit Wohnhäusern und Wohnturm

Beurteilung der Jury
Großwohnsiedlungen der 1960er Jahre sind oft stigmatisiert. Dieses Projekt zeigt einen positiven Weg auf für eine stadträumliche, architektonische und wohnungspolitische Möglichkeit des Weiterbauens. Die Gesamtanlage vereint die historischen Wohnhochhäuser der 1960er Jahre mit neuen Bauten zu einem harmonischen, vielfältigen Quartier. Unterschiedlich hohe Gebäude werden durch parkähnliche Freiflächen mit wertvollem Baumbestand verbunden. Ein neues 18-geschossiges Hochhaus ragt aus dem neuen Ensemble heraus. Die leicht versetzt zueinander umlaufenden Balkonen mit lichten Brüstungen erweitern die Wohnungen darin auf nützliche und ansprechende Weise.

Ein Mobilitätskonzept verlagert den ruhenden Verkehr in eine Quartiersgarage und fördert den nichtmotorisierten Verkehr durch zentrale Fahrradabstellmöglichkeiten, was die Qualität der Grünräume stärkt. Die Nachverdichtungen bieten flexible Wohnungsgrößen und effektive Lärmschutzmaßnahmen und tragen zur Schaffung sozialverträglichen und attraktiven Wohnraums bei. Das Quartier überzeugt durch das Zusammenspiel von Alt und Neu, unterstrichen durch ein stimmiges Farbkonzept. Das Projekt zeigt, dass auch verdichtetes Mietwohnen in die Höhe ein wertvoller Beitrag zur urbanen Wohnraumentwicklung sein kann.

Architekten:
steidle architekten, München
 
Weitere Projektbeteiligte:
Freiraum: Ohnes & Schwahn, T17 Landschaftsarchitekten (Wettbewerb), München;
Farbkonzept: Erich Wiesner, Berlin

Bauherr/Bauherrin:
Dawonia, München


Neubau Kita Retzbach

Neubau einer KITA für 105 Kinder in einer historischen Altstadt

Beurteilung der Jury
Der aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangene Neubau einer Kindertagesstätte in der historischen Altstadt von Retzbach gliedert sich in drei zweigeschossige Einzelgebäude und passt sich damit der kleingliedrigen Gebäudestruktur des Ortes an. Mit ihren drei Giebeln zur Straße, die mit wohlproportionierten weißgerahmten Fenstern geschmückt sind, entsprechen die drei Häuser auch typologisch dem Ortsbild, das durch 2- und 3-geschossige Giebelhäuser geprägt ist.  

Die Gruppenräume im Inneren der drei Häuser sind untereinander verbunden und zum Gartenhof mit großzügigen Fenstern versehen. Im größten zweigeschossigen Giebelhaus am Kopfende befindet sich der zentral gelegene Eingang des winkelförmigen Bauwerkes.

Die Jury hebt an diesem Projekt vor allem hervor, dass die Architektur sich in ihrer Flächenausdehnung der Kleinmaßstäblichkeit des Ortes unterordnet, indem sie die ortsspezifische Gebäudetypologie aufgreift und diese architektonisch geschickt in die Gegenwart überträgt.

Architekten:
Zink Architekten, Stuttgart
 
Weitere Projektbeteiligte:

Jedamzik + Partner Landschaftsarchitekten, Stuttgart;
Bauleitung: Bernd Müller Architekten, Rothenfels;
Tragwerksplanung: Ingenieurbüro Stark, Retzstadt;
HLS-Planung: Ingenieurbüro Martin, Üttingen;
E-Planung: Ingenieurbüro Pfister, Würzburg

Bauherr/Bauherrin:
Markt Zellingen, Zellingen


Weltacker

vom Parkplatz zum urbanen Acker

Beurteilung der Jury
Der Boden dient nicht nur als Baugrund, sondern er stellt eine der wertvollsten Ressourcen unserer Zeit dar. Die Versiegelung des Erdreichs gehört zu den Schubkräften des Klimawandels – und steht der Resilienz der Städte entgegen, um die Folgen des Klimawandels abzufedern. In diesem Kontext ist das Projekt „Weltacker“ zu würdigen. Der „Stiftung Innovation und Zukunft“ wurde dankenswerterweise von der Stadt Nürnberg eine zuvor als Pkw-Parkfläche genutzte Fläche überlassen. Aus einer von Autos und Asphalt besetzten Fläche wurde ein der Natur und der nicht „parkenden“, sondern am Kulturraum „Park“ interessierten Öffentlichkeit zugeschlagenes Areal. Auf diesem Gelände wurden in zeitgemäßer Anmutung, in zurückhaltender Kubatur und in minimalinvasiver Holz-Bauweise zwei eingeschossige Gebäude realisiert. Unter begrünten Dächern dienen sie als sowohl funktionale wie auch zeichenhafte Baukörper, die zusammen mit der Lärmschutzwand die architektonischen Elemente des Projekts bilden. Abgesehen von dieser wohltuenden baulichen, letztlich aber baukulturell wirksamen Zurückhaltung ist vor allem die Freiraumplanung hervorzuheben. Das Entsiegelungs-Projekt ist ein zukunftstauglich transformativer und lobenswerter Beitrag zu einer Baukultur, die sich ihrer Ressourcen bewusst ist.

Architekten:
MORPHO-LOGIC I Architektur + Stadtplanung, München
 
Weitere Projektbeteiligte:
Freiraum: MORPHO-LOGIC; Eva Siegler, Niloufar Rashid-Zadeh, Sofia Pfister,
David Kernstock, Lisa Wunder

Bauherr/Bauherrin:
INNOVATION + ZUKUNFT STIFTUNG, Nürnberg


Verschnitt

Eine Lehrhalle für die Nachhaltigkeit

Beurteilung der Jury
Beim Bau geht es um 30 Prozent des CO2-Ausstoßes, 40 Prozent des Energieverbrauchs, 50 Prozent des Ressourcenverbrauchs, 60 Prozent des Abfallaufkommens und 70 Prozent der Flächenversiegelung. Die Zahlen zeigen: Es sind die Baustellen, auf denen sich die Zukunft entscheidet. Das ist nicht zu hoch gegriffen – und daher ist keine Bauaufgabe zu klein, um diesen Zusammenhang abzubilden. Vor allem gilt das, wenn es sich um ein Unternehmen der Bau-Branche selbst handelt. In diesem Fall ist es die Lehrhalle der Riedel Bau AG, die sich verblüffenderweise als vorbildlich erweist. Zwar sollte diese Halle zunächst auf die übliche Weise, also als Übungsraum und reiner Zweckbau errichtet werden. Aber die Auszubildenden und Lernenden selbst setzten sich mit einer umweltverträglicheren Idee durch: mit der Nutzung verschnittener Schaltafeln, mit Stapeln alten Dämm-Materials und aussortierten Schalungsträgern für das neue Gebäude. Diese Form des Abfall-Recyclings ist nicht nur ressourcenschonend und kreativ, sondern sie dient auch der unternehmerischen Identität nach außen wie nach innen. Müll ist kein Müll – sondern wird zum Wert-Stoff im Wortsinn. Dies baulich darzustellen ist gerade für ein Bauunternehmen löblich.

Architekten:
ASAP Institut für nachhaltige und klimagerechte Architektur GmbH Würzburg
 
Bauherr:
Riedel Bau AG, Schweinfurt Standort Bergrheinfeld