
Beurteilung der Jury
Orte für die Gemeinschaft zu bauen ist ein Privileg und zugleich eine große Verantwortung. Diese Aufgabe kreislaufgerecht und sozial nachhaltig zu erfüllen, ist ein vorbildhafter Beitrag für die Gegenwart und die Zukunft. Im engen Dialog mit der Bevölkerung wurde in Niederwerrn eine neue Ortsmitte gestaltet, die neben Bürgersaal und Vereinsraum auch ein Café, ein Museum und eine innovative Energiescheune umfasst. Die Innenräume überzeugen durch eine hohe gestalterische Qualität in Konstruktion, Materialität und Farbgebung.
Auch die Außenbereiche wurden sorgfältig gestaltet: begrünte Plätze und ein Bauerngarten bilden attraktive Gemeinschaftsflächen, die das neue Ensemble unter Einbeziehung der vorhandenen Topografie geschickt miteinander verbinden. Die Gebäude fügen sich als selbstbewusste Setzungen in Maßstab, Bauweise und charakteristischer Dachform harmonisch in den Ortskern ein und bereichern das bauliche Umfeld.
Besonders hervorzuheben ist der konsequent zirkuläre Ansatz bei der Materialwahl. Alle Betonbauteile – vom Fundament bis zur Fassade – bestehen aus Recyclingbeton, der von einer etwa 40 Kilometer entfernten, im Jahr 2019 abgerissenen Autobahnbrücke stammt. Die Holzverkleidungen wurden aus den Schalungsbrettern für die Betonwände gefertigt. Dieser ressourcenschonende Ansatz setzt ein starkes Zeichen für nachhaltiges Bauen und kann als wegweisendes Beispiel für zeitgemäße Architektur dienen.
Architekten:
Schlicht Lamprecht Kern Architekten BDA, Schweinfurt
Weitere Projektbeteiligte:
Dietz und Partner Landschaftsarchitekten BDLA, Elfershausen;
Joachim Ingenieure Tragwerksplanung, Schweinfurt;
Ing.- und Elektroplanungsbüro Bopp GmbH, Schweinfurt;
Orf+Vizl Haustechnikplanung vertr. d. Jürgen Kiesel, Gerolzhofen
Bauherr/Bauherrin:
Gemeinde Niederwerrn,
vertr. durch Bgmin Bettina Bärmann, Niederwerrn

Beurteilung der Jury
Das Projekt zeigt überzeugend das Potential der Holzbauweise für gut gestalteten und bezahlbaren Wohnraum. Die 41 Wohnungen sind gefördert mit Mieten bis neun Euro/m2. Ihre feinen räumlichen Material- und Detailqualitäten sind bemerkenswert und man ahnt, dass die Beteiligten ambitioniert und im Vertrauen zueinander gearbeitet haben.
Die drei Baukörper erscheinen durch die Versetzung der Gebäude kleinteilig. Sie fassen einen Innenhof und heben sich unspektakulär aus dem städtebaulichen Kontext der einfachen verputzten Reihenhäuser- und Siedlungsbauten ab. Sie bieten Übergänge für die Nachbarn zum dahinter liegenden Grünraum und leisten eine Qualität für das ganze Quartier.
Aus dem kostengünstigen, aber eher ungeliebten Laubengang ist ein differenzierter Raum geworden, der einen würdigen Eingang zu jeder Wohnung schafft. Der Blick kann im Gang an den leichten Versetzungen des Baukörpers entlang wandern; das Tageslicht wird subtil filtriert durch die begrenzenden Holzlamellen und man kann im Alltag genießen, dass Standard-Bauprodukte hier präzise verarbeitet sind: die Fügung der Holzbalken, der Sockelabschluss oder das Treppengeländer - man spürt das es sich um eine bewusste Setzung handelt.
Wie war es möglich, innerhalb des engen Budgets zu bauen? Einerseits gibt es keine kostenintensive Tiefgarage und die Bereitschaft des Auftragsgebers, auf nicht gesetzliche Komfortnormen zu verzichten. Anderseits wurde die zuerst durchgeführte GU-Ausschreibung nicht umgesetzt, da sie erheblich über dem Budget lag. Stattdessen generierte die einfache Bauweise und Einzelausschreibungen Arbeit bei regionalen Handwerkern und hat die erreichte Gestaltungsqualität und den Einfluss der Architekten erst möglich gemacht. Gerade in Zeiten wo Gebäudetyp E diskutiert wird, sind Erfolgsbeispiele wie diese, die unsere Komfortansprüche in Frage Stellen und sich pragmatisch für Kostenreduktion, aber auch für hohe Gestaltqualität entscheiden, äußert inspirierend.
Architekten:
Köppen Rumetsch Architekten, Nürnberg
Weitere Projektbeteiligte:
koeber Landschaftsarchitektur GmbH, Stuttgart;
Bauleitung: Dipl. Ing. Matthias Muck, Schwabach;
Statik: merz kley partner ZT GmbH, Dornbirn;
Brandschutz: morph+ Klaus Dräger, Ingolstadt;
PS-Brandschutz: Rassek+Partner Brandschutzingenieure Würzburg;
TGA: IT-Plansache GmbH, Schwabach,
Bauphysik: Lothar Künz, Christian Rothe, Hard
Bauherr/Bauherrin:
St. Gundekar-Werk Eichstätt, Schwabach

Beurteilung der Jury
Unter dem Titel „Wandlung zum fränkischen Haus“ stellt der Architekt eine Arbeit vor, die ein eingeschossiges Gebäude in Estenfeld so ergänzt, dass es ohne Anbauten zu einem Wohnhaus für eine fünfköpfige Familie großzügig erweitert werden kann. Diese Erweiterung besteht darin, dass das niedrige Satteldach des Altbaus durch ein abgeschlepptes steiles Satteldach ersetzt wird, in dem vier geräumige Schlafräume und zwei Bäder Platz finden. Die unverkleidete Dachkonstruktion und die mit Holz ausgeschlagenen Decken und Wände entwickeln eine nachvollziehbare Behaglichkeit der Schlafräume.
Durch die Neuordnung der Treppe und die Zusammenlegung einiger Räume erhält das Haus im Erdgeschoss zusätzlich zu den schon vorhandenen Räumen einen großzügig geschnittenen zusammenhängenden Wohnraum mit Essplatz und einer separaten Küche.
Die Besonderheit des Entwurfes besteht in der Aufnahme traditioneller Bauweisen und ihrer Übertragung in die Gegenwart.
Der eingeschossige, gedrungen erscheinende Altbau übernimmt durch das Aufsetzen eines abgeschleppten, steilen Satteldaches eine traditionelle Dachform des fränkischen Hauses, die das Wohnhaus in die fränkische Kulturlandschaft verortet.
Architekt:
Claus Arnold Architekt BDA, Würzburg
Weitere Projektbeteiligte:
Florian Nikol, Slava Grening