
Beurteilung der Jury
Der Neubau des Montessori Zentrums überzeugt, weil es sinnliche Erlebnisse im großen sowie im kleinen Maßstab anbietet. Städtebaulich bindet sich der Neubau gut ein und nutzt das schmale Grundstück optimal aus. Er schirmt einerseits das Wohnquartier zur Bahnlinie in Norden ab, anderseits umfasst das winkelförmige Gebäude eine üppig begrünte Außenanlage. Das Projekt bietet ein öffentlich zugängliches Sinneserlebnis in Form eines Duft- und Kräutergartens. Dieser ist elegant mit einen Stutzwand als städtebauliche Kante entlang der Straße gefasst, aber nicht versteckt.
Die zwei Seiten des Städtebaus spiegeln sich in der gelungenen räumlichen Fügung und Materialität des Gebäudes wider. Die robuste Klinkerfassade zur Bahn im Norden schützt die Klassen- und Gruppenräume. Im Kontrast dazu bildet eine Holzfassade zur Gartenseite fließende Übergänge zum Außenraum in Form von wettergeschützten Loggien, die den innenliegenden Flur spielerisch ergänzen.
Das Projekt ist poetisch und pragmatisch zugleich. Bezahlbar, robust und Low-tech soll es sein. Fenster werden zum Lüften händisch aufgemacht, die Materialienwahl ist im Geiste der Montessoripädagogik natürlich, haptisch und regt die Wahrnehmung an. Eigentlich müsste das alles selbstverständlich sein, ist aber nicht der Fall im heutigen Bildungsbau, - und das macht das Projekt vorbildhaft. Die Grundrisse sind mit Hilfe von festen Einbauten, Nischen und Durchblicke flexibel bespielbar und fordern die Kommunikation, das Miteinander und die Selbstständigkeit der Kinder.
Es ist lobend zu erwähnen, dass der Bauherrschaft besonders Wert legte auf die Verwendung von schichtarmen Bauteilaufbauten und natürlichen Baumaterialien, um ein umweltfreundliches und energieautarkes Schulgebäude zu ermöglichen.
Architekten:
Diezinger Architekten GmbH, Eichstätt
Weitere Projektbeteiligte:
Freiraum: adlerolesch GmbH, Nürnberg;
Bauphysik: IB Hausladen GmbH, Kirchheim b. München;
Tragwerk: Tragraum Ingenieure PartmbB, Nürnberg;
HLS: Team für Technik GmbH, Nürnberg;
ELT: IB Wißmeier GmbH, Heroldsberg;
Brandschutz: Ibw Witzl, Nürnberg
Bauherr/Bauherrin:
MONTESSORI Förderkreis Nürnberg e.V., Nürnberg

Beurteilung der Jury
Als Abschluss einer Wohnhauszeile in Coburg ist das neue Kirchengebäude der Neuapostolischen Kirche entstanden. Das Gebäude öffnet sich selbstbewusst mit einem großzügigen Eingang zum Vorplatz der Kirche und nimmt mit ihrer Frontfassade die Höhe der sich anschließenden Bebauung auf. Die etwas expressive Form und die Farbgebung des Bauwerkes hebt es aus der Umgebung der umstehenden Wohngebäude hervor und verleiht dem Haus die ihm zustehende Besonderheit als öffentliches Gebäude.
Im Inneren überzeugt der Kirchenraum durch eine große Schlichtheit in der Materialwahl, die die sorgfältig gearbeiteten Details hervorheben. Der Besucher betritt den Sakralraum durch einen trichterförmigen Eingang, an den weitere Räume angeschlossen sind. Ein sich auch in der Fassade abzeichnendes Laternenfenster verleiht dem Sakralraum durch das einfallende Licht eine beruhigende Stimmung.
Die besondere Durcharbeitung des Hauses, seine städtebauliche Setzung, sowie die besondere Bearbeitung der Details lassen das Bauwerk als besondere architektonische Bereicherung an seinem Ort in Coburg erscheinen.
Architekt:
umarchitekt, Bamberg
Weitere Projektbeteiligte:
JOMA Landschaftsarchitektur, Bamberg
Bauherr/Bauherrin:
Neuapostolische Kirche Süddeutschland, K.d.ö.R., Stuttgart

Beurteilung der Jury
Die Architektur der 1960er und 1970er Jahre findet heute nur noch selten Anerkennung. Zeitgemäßen Ansprüchen an Energieverbrauch und Nachhaltigkeit können diese Bauten ohne erhebliche Eingriffe kaum gerecht werden. Zu starr und speziell wirken die Strukturen in Hinblick auf geänderte Nutzungsansprüche oder sich ständig wandelnde ästhetische Neigungen. Oft bleibt am Ende nur der Abbruch und somit wird ein weiterer Teil des baukulturellen Erbes aus dem Stadtbild getilgt. Umso erfreulicher ist es, wenn wie beim Projekt in Bad Kissingen ein solches Objekt dennoch Wertschätzung erfährt und somit fortbestehen kann. Gewürdigt wird im konkreten Fall der konsequente und respektvolle Umgang mit dem Bestand. Die Sanierung und Instandsetzung kommt ohne zeitgemäße Überformungen aus. Mit wenigen, disziplinierten Eingriffen gelingt der Wandel vom ungeliebten Abrisskandidaten zum wertgeschätzten Baudenkmal.
Architekten:
Schlicht Lamprecht Kern Architekten BDA PartGmbB, Schweinfurt
Weitere Projektbeteiligte:
Tragwerksplanung: TRAGRAUM Beratende Ingenieure PartmbB, Bad Kissingen;
Energieberatung: Dipl.-Ing. (FH) Andreas Halboth, Münnerstadt
Bauherr/Bauherrin:
Daniel Dahinten, Bad Kissingen

Beurteilung der Jury
Mit dem Neubau von Pfarr- und Gemeindehaus gelingt eine feinfühlige Ergänzung des historischen Ensembles zu einem neuen, stimmigen Ganzen. Die beiden Neubauten greifen die baukulturellen Fäden des Ortes in Formensprache, Proportion und Materialität wie selbstverständlich auf, ohne dabei in die vordergründige Aufdringlichkeit platter Modernität zu verfallen. Im subtilen baulichen Dialog mit dem Vorgefundenen entsteht ein offener, einladender Raum, der von der Gemeinschaft mühelos angenommen werden kann. Ein gelungenes Beispiel für respektvolles Bauen im ländlichen Raum, das Sinn und Identität stiftet und zugleich eine authentische und ansprechende Verbindung zwischen dem Alten und Neuen herstellt.
Architekt:
Georg Redelbach, Marktheidenfeld
Bauherr/Bauherrin:
Evang.-Luth. Kirchengemeinde Markt Einersheim

Beurteilung der Jury
Das Weiterbauen an der Stadt eröffnet idealerweise neue Perspektiven und Mehrwert im öffentlichen Raum – so auch im Quartier Augustinerhof. Eine ehemals unscheinbare Rückseite wird hier zu einem neuen, adressbildenden Stadtraum mit hoher Aufenthaltsqualität. Der neue Freiraum für die Stadtgesellschaft liegt direkt an der Pegnitz. Sitzterrassen verbinden das Niveau des Stadtbodens mit dem tieferliegenden Fluss, schaffen erlebbaren Bezug zum Wasser und laden zum Verweilen ein.
Das bauliche Konzept greift Bezüge zum bestehenden Stadtgefüge auf und verknüpft sie geschickt. Die vielfältige Nutzung aus Ausstellung, Hotel, Gastronomie, Läden und Bars belebt die Erdgeschosse und wertet den öffentlichen Raum auf. Die gewählte Architektursprache aus hellem Betonwerkstein mit Ornamentik wird als zeitgemäße Interpretation der Fachwerkbautradition Nürnbergs verstanden und wird in Maßstäblichkeit und Gestaltung kontrovers diskutiert.
Architekten:
Staab Architekten, Berlin
Weitere Projektbeteiligte:
Landschaft + Design, Nürnberg (Freiraum);
ganzWerk GmbH, Nürnberg (Bauleitung);
Goetz-Neun Ingenieure GmbH, Nürnberg (Tragwerksplanung);
HTP Haustechnik Projekt GmbH, Wendelstein (Haustechnik-Elektroplanung);
Projekt-HLS GmbH & Co. KG, Weiden (Haustechnik/HSL);
Licht Kunst Licht, Berlin (Lichtplanung); Atelier Brückner, Stuttgart (Ausstellungsplanung)
Bauherr/Bauherrin:
alpha Gruppe, Nürnberg